Fotios Amanatides: Von Byzanz nach Rom

Thema der Dissertation ist das politische Wirken des Basilius Bessarion (1403-1472), im Spannungsfeld von Politik und Religion.
Im griechischen Osten diente Bessarion als griechisch-orthodoxer Erzbischof von Nicäa und Berater des byzantinischen Kaisers. Nach der Übersiedlung nach Italien wurde er Kardinal der römisch-katholischen Kirche und vertrat in einer Zeit der historischen Umbrüche die päpstliche Kurie als Legat an den wichtigsten Höfen seiner Zeit. Ziel der Untersuchung ist die Analyse der Relation zwischen seiner jeweiligen theologischen bzw. kirchlichen Position einerseits und seinen politischen Aktivitäten anderseits.

Carlos Jansen: Zwischen partikularer Politik und universaler Geschichte? Untersuchungen zur Theorie des Nationalismus

Die Dissertation thematisiert mit dem Nationalismus einen der großen "Ismen" des 19. und 20. Jahrhunderts.
Dabei werden relevante Theorien des Nationalismus nach Maßgabe der Logik und Hermeneutik kritisch untersucht.
Ziel der Arbeit ist es, die verschiedenen Konzepte zur Erklärung und Deutung des Nationalismus typologisch zu erfassen und den Nationalismus im Spannungsfeld von Mensch, Gesellschaft und Geschichte präzise zu verorten.
Theoretisch baut die Arbeit im Wesentlichen auf  der politike episteme im klassischen Sinne auf, wie sie u.a. in den Schriften von Leo Strauss, Eric Voegelin und Wolfgang Leidhold zu finden ist.

Linda Knorr: Matteo Palmieri. Della Vita Civile (Arbeitstitel)

In der philosophiehistorischen Dissertation über Matteo Palmieri (1406-1475), einen herausragenden Vertreter des 'Florentiner Bürgerhumanismus', wird zunächst sein politisches Hauptwerk Della Vita Civile (1430-1440) in den zentralen Positionen präsentiert.
Da die Theorie Palmieris auf antiken Paradigmen basierte, wird im zweiten Teil zum einen der Frage nachgegangen, welche Quellen Palmieri in welchem Umfang rezipierte, zum anderen untersucht, inwieweit sich Palmieri von seinen antiken Leitbildern entfernte und originelle Beiträge zur politischen Theorie entwickelte.

Claudius Mandel: Zur Einbildungskraft bei Dietmar Kamper

Die Dissertation untersucht die umfangreichen Arbeiten des Philosophen, Kulturanthropologen und Soziologen Dietmar Kamper (1936-2001) zum Thema Einbildungskraft.
Dietmar Kamper ist eine vielschichtig strukturierte Persönlichkeit. Dementsprechend ausladend erfolgt seine Bestimmung der Einbildungskraft. Sie tangiert zum einen nahezu all jene, sich teilweise strikt voneinander unterscheidenden Perspektiven, die in einer über zweitausendjährigen Geschichte hinsichtlich der Thematisierung dieses Begriffes angestrengt werden. Zum anderen geht sie eigene Wege. Das Originelle der Kamperschen Einbildungskraftbeschäftigung speist sich letztlich aus einer Synthese diverser, mitunter höchst eigenwilliger Blickwinkel auf das Thema. Diese Vielschichtigkeit zu beleuchten, das heißt das Kampersche Verständnis von Einbildungskraft erstmalig umfassend vorstellen, zentrale Schlaglichter dabei kritisch reflektieren und dadurch das Autorenbild von Geschichte, Mensch und Gesellschaft konturieren zu können, ist Ziel dieser hermeneutisch vorgehenden Arbeit.

Birger Reiß: Die politische Bedeutung (neo)pentekostaler Kirchen im kontemporären Brasilien

Brasilien galt lange Zeit als das größte katholische Land der Welt - seit den 1970iger Jahren änderte sich das religiöse Szenario jedoch maßgeblich, da evangelikale Kirchen, insbesondere pentekostalen Ursprungs, starken Zulauf erfuhren und weiterhin erfahren.
Abgesehen von der theologischen Akzentverschiebung wirkt dieser Wandel in vielfältigen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Dank umfangreicher finanzieller Ressourcen und massiver medialer Präsenz ist der Einfluss der (neo)pentekostalen Kirchen heute beachtlich. Im politischen Sektor sind sie auf allen Ebenen stark vertreten - sie stellen Bürgermeister, Gouverneure, Abgeordnete und Senatoren.
Ausgehend von der (vermittelten) religiösen Erfahrung und Lebensdeutung, den Kernpunkten pentekostaler Theologie und den unterschiedlichen Formen ihrer Vermittlung ist das Ziel der Arbeit die Analyse der politischen Bedeutung (neo)pentekostaler Kirchen im kontemporären Brasilien. Die Arbeit untersucht dabei u.a. die Fragestellungen: Wie (und seit wann) erfolgte der Eintritt in den politischen Raum? Welche (politischen) Organisationsstrukturen haben sich seither entwickelt? Welches sind die zentralen Akteure? Welche Wirkmächtigkeit haben die (neo)pentekostalen Kirchen und ihre führenden Akteure entwickelt? Welche Ziele werden politisch überhaupt verfolgt?

Paula Scholemann: Struktur visionärer Erfahrungen in der politischen Literatur Europas und Nordamerikas

"Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen." - So soll Altbundeskanzler Helmut Schmidt sich geäußert haben.

"Vision" - ein schillerndes Wort, das sowohl in der Alltagssprache als auch in der wissenschaftlichen Fachsprache vielfach und vielfältig verwendet wird. Abzugrenzen ist die Vision von der Utopie, vom Traum, vom Wahn. Der Topos Vision ist eine eindrückliche und überwältigende nicht-sinnliche Erfahrung und eine nur schwer zu kommunizierende Artikulation. Nicht zuletzt beschäftigt sich die Dissertation mit dem Auftauchen der Vision im poliitischen Leben und Denken. Wer sind die beispielhaften Visionäre und unter welchen Bedingungen können Visionäre und deren Visionen politisch wirken oder werden am politischen Wirken gehindert? Sind paradigmatische Phasen zu identifizieren, in denen Visionäre Durchschlagkraft haben oder an den Rand gedrängt werden?

Christine Unrau: Erfahrung und Engagement: Motive, Formen und Ziele der Globalisierungskritik

Ziel der Arbeit ist, die Leitideen der globalisierungskritischen Bewegung im Hinblick auf die Motive, Formen und Ziele des geforderten politischen Engagements zu analysieren. Dabei soll eine ideengeschichtlich fundierte, geographisch umfassende und systematische Bestandsaufnahme der verschiedenen Argumentationslinien und Positionen zu diesem Thema innerhalb der Globalisierungskritik geliefert werden. Die Materialgrundlage bilden die Texte dreier Gruppen von Aktivisten und Autoren: Untersucht wird erstens eine philosophisch-sozialwissenschaftlich argumentierende Gruppe, zweitens die Gruppe derer, die sich vor allem aus ökonomischer Perspektive gegen die internationale Finanzarchitektur richten und drittens die in der Forschung zur Globalisierungskritik bisher wenig beachtete Befreiungstheologie. 

Abgeschlossene Dissertationen

Johannes Clessienne: Warum Bildungspolitik: Zur Begründung der Staatstätigkeit in Erziehung und Bildung im modernen Verfassungsstaat

 Würzburg: Königshausen & Neumann, 2012, ISBN 3-8260-4929-3

Oliver Rose: Die Äquivalenz der Symbole. Über die Logik des Verstehens der Symbol- und Ordnungsformen bei Eric Voegelin

 Würzburg: Königshausen & Neumann, 2012. ISBN 978-3-8260-4914-9

Anna Täschner: Mensch und Staat bei Immanuel Kant. Zu den anthropologischen Grundlagen seiner politischen Theorie

 Würzburg: Königshausen & Neumann, 2012. ISBN 978-3-8260-4935-4